Das Projekt Schulhund

Seit Mitte Januar 2013 begleiten die beiden Hunde Lunka und Lilly drei fünfte Klassen an einem Tag der Woche im Deutschunterricht. Betreut wird das Projekt von der Deutschlehrerin Frau Hösl, die die Hunde auch ausgebildet hat. Während des regulären Unterrichts liegen die Hunde auf ihrer Decke und ruhen, sodass sie das Lernen nicht stören. In den Pausen dürfen auch Kinder anderer Klassen mit den Hunden umgehen, wobei sie angeleitet und beaufsichtigt werden.

Lunka und Lilly – geprüfte Begleithunde

Lunka und Lilly sind zwei kleine Mischlingshunde aus der Slowakei. Das dortige Tierheim wird mittlerweile von der in Regensburg ansässigen Tierhilfe Hohe Tatra Kezmarok e. V. betreut und unterstützt. Mit einem Jahr kamen sie im August 2008 nach Deutschland. Damals waren sie in sehr schlechtem Zustand, aber über die Jahre haben sie sich sehr gut entwickelt. Die anfänglichen Ängste haben sich gelegt, sodass sie nun neben den regelmäßigen Besuchen in einem Alters- und Pflegeheim für Demenzkranke auch den „Dienst“ als Schulhunde antreten durften. Ihre große Sensibilität, ihre Vorsicht und nicht zuletzt ihre geringe Körpergröße machen sie für den Einsatz als Schulhunde besonderes geeignet. Trotzdem sind sie belastbar genug, um auch mit für Hunde schwierigeren Situationen umzugehen. Sie haben die Begleithundeprüfung abgelegt und beherrschen neben einem sehr guten Grundgehorsam auch diverse Tricks, die die Kinder gerne mit ihnen ausprobieren.

„Wer den Futterbeutel hat, hat den Hund“

Zu Beginn jeder Schulhundstunde dürfen sich in der Regel nach der allgemeinen Begrüßung auch Hunde und Kinder begrüßen. Dabei kommt der Futterbeutel zum Einsatz. Die Regel heißt: „Wer den Futterbeutel hat, hat den Hund.“ Jedes Kind darf hier frei entscheiden, ob es den Hund nur füttern oder streicheln möchte oder ob er einen Trick oder eine Gehorsamsübung machen soll. Grundsätzlich können die Kinder natürlich auch nur zusehen, falls sie sich nicht näher mit den Hunden auseinandersetzen wollen, was aber sehr selten vorkommt. Im Anschluss verläuft die Stunde für gewöhnlich normal, bis dann am Ende der Stunde zumeist nochmals Tricks oder Ähnliches geübt werden dürfen. Der Ablauf ist allerdings nicht starr, sodass die Hunde manchmal auch in entspannten Phasen im Unterricht Kontakt zu den Kindern aufnehmen dürfen.

Hunde aktiv am Unterricht beteiligt

Eine weitere Variante ist, dass die Hunde im Unterricht auch aktiv beteiligt sind. So bringen sie beispielsweise im Klassenzimmer verteilte Gummienten, auf denen sich Aufkleber mit Anweisungen befinden, die die Kinder befolgen müssen. Das kann auch ein englisches Wort sein, mit dem sie einen Satz an der Tafel bilden sollen. Möglich ist auch, dass die Hunde auf das Kommando „Stups!“ einen kleinen Basketball auf einem Buchstabenteppich mit der Nase ins Rollen bringen, woraufhin die Kinder möglichst viele Wörter finden müssen, die mit diesem Buchstaben beginnen. Dies kann auch noch eingeschränkt werden, indem diese Wörter im Fach Deutsch einer bestimmten Wortart oder einem bestimmten Wortfeld angehören müssen. Dies sind nur Kleinigkeiten, die die Kinder aber erkennbar motivieren.

Positive Effekte spürbar

Effekte sind spürbar: So sind die Kinder im Unterricht ruhiger und aufmerksamer. Schüchterne Kinder lernen, sich etwas zuzutrauen, und lebhafte Kinder lernen, sich zurückzunehmen. Manche Kinder, die anfangs eher zurückhaltend waren, haben einen natürlichen Umgang mit den Hunden entwickelt. Viele Kinder freuen sich sehr auf den Hundebesuch und sind daher an „Schulhundtagen“ motivierter, in die Schule zu gehen. Die Kinder lernen Rücksichtnahme auf andere, denn es können nicht alle gleichzeitig mit den Hunden umgehen. Schließlich lernen die Kinder, andere Lebewesen mit Respekt und Vorsicht zu behandeln. Ein besonderer Effekt ist, dass die Schüler und Schülerinnen auch über Klassen- und Jahrgangsgrenzen hinweg Kontakte knüpfen, indem beispielsweise Fünftklässler interessierten Achtklässlern erklären, wie man den Hunden bestimmte Tricks beibringt oder einfordert.

Sportpartner, Spielgefährten und Seelentröster im Schullandheim

Auch im Schullandheim der fünften Klassen waren die Hunde bereits dabei. So konnten sie beim Workshop „Prima Klassenklima!“ richtig mitarbeiten, und auch als Sportpartner, Spielgefährten und Seelentröster für die Schüler und Schülerinnen aller Klassen waren Lunka und Lilly im Einsatz, sodass sie die Schullandheimtage sehr bereichern konnten. So sind bereits nach wenigen Monaten, um manche Eltern zu zitieren, für viele Kinder „die zwei kleinen Klassenkameraden (…) nicht mehr wegzudenken.“

 

Sibylle Hösl